This Lens is Soft"...and other Mysths - deutsche Übersetzung

 

Ich möchte mich an dieser Stelle bei Roger Cicala von der Firma LensRentals.com für diesen ausgezeichneten Artikel und die Genehmigung diesen ins Deutsche zu übersetzen, und hier zu veröffentlichen bedanken!

Geschrieben 2008



Eines der häufigten Beispiele scheinbarer Unlogik erleben wir regelmässig bei LensRentals.com, wenn der Kunde reklamiert: „Das Objektiv ist weich/hat Front-/Backfocus“. 

Verstehen sie mich nicht falsch, es gibt wirklich schlechte Exemplare, und wir schätzen, daß dieser Anteil bei 3%-7% aller Objektiven liegt.

Ausserdem wissen wir, durch unsere Prüfverfahren, daß 1 von 400 Objektiven beim Transport beschädigt wird, und aus dem Grunde nicht funktioniert. Manchmal gibt es wirklich Beschädigungen oder Dejustierungen eines Element des Objektiv, aber in den weitaus meisten Fällen ist das eben nicht der Fall. Üblicherweise ist der Grund für das „softe“ Verhalten der Objektiv ein nicht präziser Focus.

3 bis 4 mal pro Woche erleben wir die folgende Unterhaltung:

„Das Objektiv, daß sie mir geschickt haben, hat Frontfocus, das taugt nichts!“

„OK, bis bis morgen haben sie ein neues!“

Wenn dann die erste Objektiv zu uns zurück kommt, und wir die testen, ist das Objektiv 100% in Ordnung. Aber der Kunde ist mit der Ersatzobjektiv sehr zufrieden, Es funktioniert ausgezeichnet, obwohl die Erste eben nicht funktionierte. Also, was ist da passiert? 

Es ist eigentlich ziemlich einfach: Wie bei den meisten scheinbar unlogischen Systeme geht man auch hier von einer falschen Annahmen aus: 

Der Kunde „weis“, daß seine Kamera „in Ordnung“ ist, weil die ja mit all seinen anderen Objektiven einwandfrei funktioniert – keine von denen hat Front- oder Backfocus.

Der Schlüssel zu diesem Rätsel ist die Definition „in Ordnung“

Die meisten werden jetzt denken, daß „in Ordnung“ bedeutet, daß alle Komponenten perfekt kalibriert sind. Im wahren Leben und echten Kameras ist es aber wie bei allen anderen technischen Dingen: es wird innerhalb eines gewissen Toleranzbereich kalibriert. Wir wissen nicht, welche exakten Toleranzen Canon, Nikon oder andere Hersteller (ausser Zeiss und Leica) für akzeptabel halten. 

Zum Verständnis nehmen wir einfach mal an, daß eine Kamera oder ein Objektiv innerhalb seiner Spezifikationen liegt, wenn es + oder – 3 „Focus-Einheiten“ von der perfekten Einstellung entfernt ist.

Wir können davon ausgehen, daß diese Abweichungen innerhalb des Tiefeschärfebereich einer f2.8 Objektiv liegen.

Nehmen wir an, wir haben einen Kamera-Body mit einem Focusfehler von -2 und ein Objektiv mit +2. 

Beide sind lt. Spezifikationen innerhalb der Toleranz, aber natürlich nicht perfekt.

Dennoch führt die Kombination eines -2 Body mit einem +2 Objektiv zu einem perfekten Ergebnis. Man liesst in Foren dann oft das Folgende: 

"Ich liebe dieses Objektiv an meiner Kamera!"



Er schreibe jetzt in allen Online-Foren Arien darüber, wie großartig dieses Objektiv ist, und erkläre jedem, der das anders sieht, daß er/sie ein schlechter Fotograf ist!

enlightened Das gillt aber nur für dieses eine Objektiv an genau dieser einen Kamera!

An diesem Punkt ist der User zu einem FOJO (Fanboy ohne jede Objektivität) mutiert.

Aber, was würde passieren, wenn ich ein Objektiv, das -2 von Perfekt entfernt ist, mit einem Gehäuse kombiniere, was ebenfalls -2 justiert wurde?

Hier kommt es drauf an: Wenn das Objektiv -sagen wir mal- eine Anfangsöffnung von f/4 hat, wird vermutlich gar nicht viel passieren, da sich die Abweichung innerhalb des Tiefen-schärfe-Bereich dieses Objektiv bewegt.

Wenn man als Pixel-Peeper in der 100% Ansicht das Bild untersucht, wird man möglicherweise einen Frontfocus von ca. 1m entdecken, bei einem Objekt, das ca. 7m entfernt ist.

Das wird aber normalerweise nicht auffallen, da der Tiefenschärfebereich hier bereits 3,5m gross ist. Das anvisierte Objekt wird perfekt scharf abgebildet, und das Objektiv erscheint perfekt.

Wenn es sich allerdings um ein f1.4-Objektiv handelt, haben wir einen sehr dünnen Tiefen-schärfe-Bereich, und der Frontfocus wird plötzlich erkennbar: Das Motiv ist außerhalb der Schärfe-ebene und wirkt „weich“.

Wenn ich weiß, wie ich einen Front- Backfocus-Test durchführen kann, ist mir dieses Problem unter Umständen bekannt, aber hier kommt die Falle: wenn ich dieses Objektiv nun -mit Bitte um Justierung- zum Hersteller schicke, werden die das Objektiv testen, für gut befinden, und ohne jede Modifikation zurückschicken, denn das Objektiv ist ja im Sinne der Herstellertoleranzen völlig in Ordnung.

Nur, wenn ich Gehäuse UND Objektiv einschicke, hat der Hersteller die Möglichkeit dieses Problem zu erkennen, und zu beheben.

Aber, alles hat seinen Preis: Wenn bei dieser Prozedur das Gehäuse kalibriert wurde, kann es passieren, daß plötzlich ein anderes Objektiv meiner Sammlung, das bisher immer perfekte Ergebnisse geliefert hat, plötzlich einen Backfocus hat, und „weich“ ist. 

In der Vergangenheit war es üblich, das professionelle Fotografen ihr gesamtes Equipment (Bodys UND alle Objektive) zusammen zum Hersteller geschickt haben, um alles gemeinsam perfekt aufeinander abzustimmen.

Das war einer der Gründe, warum Nikon und Canon ihren Profi-Service (CPS & Co) eingerichtet haben.

Die meisten anderen schicken nacheinander Objektiv für Objektiv zum Hersteller, oder tauchen Objektive so lange um, bis das jeweilige Objektiv „AN IHRER KAMERA“ passt.

Das dumme dabei ist nur, daß viele Leute, die genau das gemacht haben, nichts besseres zu tun haben, und in das nächste online-Forum gehen, und dort solche Blanko-Aussagen wie:

„Ich musste 3 Objektive testen, bevor ich eins gefunden hab, was ordentlich kalibriert ist“

Was diese Leute eigentlich sagen sollten:

„Ich musste 3 Objetive testen, bis ich eins gefunden habe, was FÜR MEINE KAMERA passend justiert ist“

Die anderen beiden Objektive sind vermutlich mit einem anderen Gehäuse genauso gut.

Wenn sie einige Dutzend Objektive eines Typs und jede Kamera am Markt, so, wie wir, zur Verfügung haben, werden sie schnell herausfinden, daß das Teil der täglichen Kamera-Realität ist.

Das lustige dabei ist, daß gerade die extrem teuren Objektive mit grosser Anfangsöffnung am häufigsten diese Probleme haben, da deren Tiefen schärfe-bereich so schmal ist, und der scharfe Teil eines Bildes sich so extrem von dem im übrigen unscharfen Teil abhebt.

Das 200€ f/5.6 Zoom hat dagegen überhaupt keine Probleme mit Front- oder Backfocus, da der Tiefenschärfebereich eh schon einen halben km tief ist.

Bei der 2000€ teuren f/1.4 Festbrennweite mit einer Tiefen-schärfe von wenigen cm fällt dieses Problem hingegen sofort auf. (Und der Besitzer hat extra den 10fachen Preis bezahlt!)

Die gute Nachricht ist, daß immer mehr Hersteller sich dieses Problems angenommen haben, und der Anwender heute auf Knopfdruck eingreifen kann. 

Die folgenden Gehäuse verfügen über eine AF-Mirokalibrierung: Canon 1DMkIII, 1DsMkIII, 5DMkII,7D, 50D; Nikon D3, D3x, D300, D700; die Pentax K20D, Olympus E-30 und E-620, und die Sony A900. Ich bin überrascht, wie wenige Leute dieses Feature nutzen – es ist zwar zeitraubend die richtigen Einstellungen zu finden, aber, wenn das einmal geschehen ist, ist jedes Objektiv mit seinen individuellen Korrekturwerten im Kameraspeicher hinterlegt, und Focusfehler sind dadurch kompensiert, so, daß jedes Objektiv beinahe perfekt focusieren kann.Meiner Meinung nach, ist das ein so wichtiges Feature (besonders bei meinen besseren Objektiven), daß das allein den Upgrade auf eine neueres Gehäuse rechtfertigen kann.

Schlechte Objektive (und Kameras) wird es trotzdem geben, aber der überwiegende Teil der Front- oder Backfokus-Problematik sollte damit der Vergangenheit angehören.Für alle anderen, die diesesFeature nicht haben gilt: Wir (LensRentals.com) tun -wie immer- unser bestes um ihnen ein Objektiv zur Verfügung zu stellen, das an ihrer Kamera bestmöglich funktioniert – auch, wenn das erfordert, daß wir das Objektiv tauschen müssen.

Addendum:

Kürzlich habe ich das krasseste Beispiel dafür in einem Forum entdeckt, wo ein User schrieb:

„Canon's neuste XX-Kamera ist Müll“

(ich vermeide hier Bezeichnungen, damit Suchmaschinen den Satz nicht aufgreifen). Er schrieb, daß er seit vielen Jahren mit seinem Gehäuse sehr zufrieden war, und über eine „Hand verlesene“ Auswahl von Objektiven verfügt. Jedes einzelne Objektiv wurde aus mehreren Exemplaren selektiert. Jetzt hat er sich ein neues Gehäuse gekauft, und alle seine Objektive sind plötzlich Mist. Selbst nach 2-maligen Umtausch des Gehäuse sind die Objektive immer noch nicht scharf.

Hier haben wir das perfekte Beispiel einer Person, mit einem Gehäuse am Rande der Spezifikation, wozu er sich durch entsprechende Selektion Objektive gesucht hat, die am anderen Ende der Spezifikation justiert sind, und daraus den Schluss zieht, daß alle neuen Gehäuse jetzt Mist sind.

Das Traurige dabei ist, ist daß das neue Gehäuse sehr wohl über Microfocus-Adjustement verfügt, er das aber nie probiert hat, und stattdessen Gehäuse um Gehäuse zurück schickt.



Roger Cicala

Tags: 

Kommentare

Einfach nur Danke für die Mühe der Übersetzung und für die Veröffentlichung derselben. Sehr erhellend und nachvollziehbar!

Damit erspare ich mir einige Diskussionen mit den Fanboys :-) Danke dafür!

Von mir auch ein dickes DANKE. ;-)

Auch die Olympus E-5 hat eine AF-Mirokalibrierung.