Der Aufstand der Raubkopierer

Seit Bekanntwerden von Adobes Entscheidung, seine Produkte in Zukunft nur noch als Abo in der Cloud zu vermarkten, schlagen die Wellen der Empörung in den Foto-Foren hoch.

Liest man die dortigen Reaktionen, entsteht der Eindruck, daß jeder Hobby-Knipser, der seine mühsam zusammen gesparten 700€ in die erste Spiegelreflexkamera investiert hat auch direkt ein Photoshop für 950€ dazu kauft.

Die neueste Aktion mündet in einer „Petition“ gegen Adobe: http://www.change.org/petitions/adobe-systems-incorporated-eliminate-the...

Dabei werden teilweise haarsträubende Vergleiche zu Hardware gezogen. (Was wäre, wenn Canon seine Kameras zukünftig nur vermieten würde?)

Die häufigsten Argumente gegen das Abo-Modell:

  • Man hällt nichts mehr in der Hand
  • Weiterverkauf ist nicht mehr möglich
  • Zwangs-Updates sind unerwünscht
  • Was macht der, der keine schnelle Internetverbindung hat?
  • Zwangsaktivierung über das Netz alle 30 Tage
  • zu hohe Kosten
  • Miete vs. Besitz
  • Datenverlust beim Erlöschen des Abo
  • Meine gekaufte Software kann ich über viele Jahre ohne weitere Kosten verwenden

Lassen Sie uns diese Argumente mal im einzelnen betrachten:

Man hält nichts mehr in der Hand

Software kann man nicht anfassen (das dürfte sich inzwischen herumgesprochen haben), und das, was man beim Software-Kauf geliefert bekommt, ist in Wahrheit nichts als (Sonder-)Müll. Es handelt sich um einen bunten Karton und eine CD/DVD mit einer meist bereits veralteten Software. Beim 1.. Start kommt direkt der Hinweis, daß eine aktualisierte Version im Internet zum kostenlosen Download bereit steht.

Damit sind Verpackung und Datenträger bereits vom 1. Tag des Besitz an völlig wertlos!

Weiterverkauf ist nicht mehr möglich

Das ist das Einzige einigermaßen nachvollziehbare Argument, aber auch nur so lange, wie es sich um „frische“ Software handelt.

Wer würde eine veraltete Software kaufen, die unter Umständen nach dem nächsten Betriebssystemupdate nicht mehr ordentlich funktioniert? Außerdem setzt das voraus, daß man viel Geld für etwas ausgegeben hat, was man nicht (mehr) benötigt. Bei einem Abo-Modell zahlt man genau das, was man benötigt.

Zwangs-Updates sind unerwünscht

"Natürlich muß diese teure Software für die nächsten Jahre ausreichend sein, da man ja nicht bereit ist, alle 2 Jahre nochmals 450€ für ein Upgrade auf die aktuelle Version investieren will."

Dieses Argument ist sehr dünn: Niemand würde ein teures Auto kaufen, wenn er sich bereits im Vorfeld darüber im Klaren ist, daß er sich die regelmässigen Inspektionen nicht leisten kann.

Eine der ersten Regeln, die man als Informatiker lernt, lautet: „Es gibt keine fehlerfreie Software!“

Aus diesem Grund ist auch eine Software niemals „fertig“, und wird von den Herstellern ständig weiter entwickelt. Das betrifft in den wenigsten Fällen das Implementieren neuer Funktionen, sondern dient in erster Linie dazu bestehende Funktionen von Fehlern zu befreien und stabiler, robuster und sicherer zu machen.

Regelmäßige Updates sorgen dafür, daß der Endverbraucher auch von diesen Verbesserungen profitiert, und der gute Ruf des Software-Hersteller gewahrt wird. Informationen über fehlerhafte Funktionen verbreiten sich im Netz sehr schnell, und mit zeitnahen Reaktionen auf solche Fehler kann ein Hersteller bei seiner Kundschaft punkten.

In der letzten Zeit tauchten in der Presse immer wieder Berichte auf, daß durch das Öffnen oder reine Anschauen von Grafiken im Netz bereits unerwünschte Software (Viren/Trojaner etc.) auf dem eigenen Rechner landen würde. Das betrifft natürlich auch Hersteller von Grafiksoftware, und daher versuchen diese ihre Software sicherer und robuster gegen solche Attacken zu machen.

Auf solche Updates bewusst zu verzichten, halte ich in dem Fall sogar für fahrlässig, da der eigene Rechner auf diese Weise selbst zur Verbreitung dieser unerwünschten Software beitragen kann.

Um bei dem Auto-Vergleich zu bleiben: wer mit defekten Bremsen unterwegs ist, gefährdet nicht nur sich, sondern auch Andere.

Was macht der, der keine schnelle Internetverbindung hat?

Diese Frage ist in unserer industrialisierten Gesellschaft wohl eher akademischer Natur.

Sollte man tatsächlich in einer der wenigen, dünn besiedelten Regionen leben, in der ein schnelles Internet (noch) nicht zur Verfügung steht, hat man sicher die Möglichkeit, die Installation bei einem Freund im Nachbardorf durchzuführen, der bereits über eine schnelle Leitung verfügt.

Die Notwendigkeit besteht ja nur während der Erstinstallation und bei größeren Updates.

Zwangsaktivierung über das Netz alle 30 Tage

Ja! - Moderne Software „telefoniert nach Hause“, aber das ist nicht erst seit dem Adobe Abo-Modell so, und ganz viele Programme überprüfen auf diese Weise die Gültigkeit ihrer Lizenz weitgehend unbemerkt vom User.

Zu hohe Kosten

Wenn man von Update-Zyklen von ca. 18 Monaten ausgeht, ist das Abo-Modell unter dem Strich sogar billiger, als der bisherige Kauf der Vollversion inkl. der regelmäßigen Updates. Für kommerzielle Nutzer bietet das Abo-Modell hingegen nur Vorteile:

  • die geringen monatlichen Kosten sind steuerlich leichter geltend zu machen, als „der Dicke Brocken“ in regelmäßigen Zeitabschnitten.
  • Die Software wird mit kalkulierbaren Kosten immer auf dem aktuellsten Stand gehalten und gepflegt.

Aber auch für den privaten Nutzer ist das Abo-Modell nicht völlig uninteressant, da man mit einem überschaubaren Betrag (24,59€ für eine Photoshop-Lizenz/Monat) die Möglichkeit hat, die derzeit beste Bildbearbeitung der Welt in vollem Umfang nutzen kann, und das ganz ohne ein schlechtes Gewissen, dafür aber mit allen aktuellen Entwicklungen, die Sicherheit und Funktionsumfang betreffen

Miete vs. Besitz

Software besitzt man i.d.R. nicht, genauso wenig, wie man die Musik auf einer CD besitzt.

Durch Kauf/Abo erwirbt man das begrenzte Nutzungsrecht.

Das war schon immer so, und durch das Abo-Modell ändern sich nur die Abrechnungsmodalitäten, aber nicht die Besitzverhältnisse.

Datenverlust beim Erlöschen des Abo

Häufig liest man in Foren das folgende Argument:

„Was mach ich mit meinen Dateien, die ich nicht mehr öffnen kann, wenn ich mir das Abo nicht mehr leisten kann?“

Wenn der Fall tatsächlich eintritt, dürften andere Probleme in den Vordergrund rücken, wie z.B. „Wie fülle ich meinen Kühlschrank?“

Ein Grundrecht auf die Benutzung einer Software gibt es nicht, und im Verlauf der IT-Geschichte sind viele Dateiformate sang- und klanglos in der Versenkung verschwunden.

Versuchen Sie mal ihre in den späten 80er mit Wordstar geschriebene Diplomarbeit mit einer aktuellen Textverarbeitung zu öffnen!

Meine gekaufte Software kann ich über viele Jahre ohne weitere Kosten verwenden.

Das ist das dünnste aller Argumente.

Viele Programme funktionieren nach einem Versions-Update des Betriebssystem nicht mehr richtig, oder überhaupt nicht mehr, und wer würde wohl heute noch mit Windows 95 arbeiten wollen?

Hinzu kommt, daß die Datenmengen in der letzten Zeit extrem gestiegen sind, und weiter steigen werden, so daß es heute sicher keinen Spaß mehr machen würde, die Bilder einer aktuellen 20Mp-Digitalkamera in einem mehr als 10 Jahre alten Photoshop 6 zu bearbeiten, selbst, wenn das Programm das Format verarbeiten würde, und man noch über einen Rechner verfügen würde, auf dem die Software noch läuft.

Fazit:

Verstehen Sie mich nicht falsch, ich will sicher nicht jeden privaten Photoshop-Nutzer kriminalisieren, aber schätze den Anteil der Privatpersonen, die mit einem gekauften Photoshop arbeiten sicher nicht höher als 1% ein.

Wenn man mal bei Treffen von Hobby-Fotografen oder einem Foto-Stammtischen mit den Leuten redet, erfährt man hinter vorgehaltener Hand, daß man „selbstverständlich“ auch gecrackte Versionen nutzt, und man die Preisgestaltung seitens Adobe für völlig überzogen hällt. 

Zitate wie "bevor ich 950€ für ein Programm ausgebe, kaufe ich mir lieber ein neues Objektiv" sind keine Seltenheit.

Vielen Hobby-Usern scheint es langsam zu dämmern, daß Adobe das Raubkopieren durch dieses Abo-Modell erheblich erschwert (wenn auch nicht gänzlich unmöglich machen kann), und bei einigen dürfte genau das die Motivation für die Empörung sein, da man aus den Raubkopien der letzten Jahrzehnte ein gewisses "Gewohnheitsrecht" ableitet.

Dabei vergessen jedoch die meisten, daß es sich nun mal um eine professionelle Software handelt, die auch ganz klar für professionelle Anwender entwickelt wird, die damit ihren Lebensunterhalt verdienen, und für die ist der Preis fast egal, da man die Kosten mit 1 oder 2 erfolgreichen Projekten ohnehin wieder eingefahren hat.

Adobe tun die Raubkopien vermutlich nicht wirklich weh, da diese User -wenn es keine Raubkopien gäbe- sicher deshalb kein Photoshop kaufen, sondern einfach auf eine andere Software ausweichen würden.

Auf der anderen Seite werden insbesondere junge User wenn sie in ihrem Berufsleben in der Medienbranche einsteigen, und eine leistungsfähige Bildbearbeitung brauchen, sicher von ihren Erfahrungen mit Photoshop profitieren, und von ihrem Chef genau diese Software erwarten, was den Umsatz von Adobe zusätzlich ankurbeln dürfte

Diese Raubkopien haben ganz sicher zu der Verbreitung von Photoshop beigetragen.

Die Einzigen, die durch das Abo-Modell einen echten Schaden erleiden, sind die Software-Händler, da auf diese Weise der Zwischenhandel komplett ausgeschaltet wird.

 

 

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Kommentare

Aus meiner Sicht nutzt Adobe hier seine Marktmacht schamlos aus.Für mich ist das das Argument "Miete" ./. "Besitz" sehr wohl entscheidend.Mieter von Wohnungen sind in Deutschland durch extra dafür gedachte Gesetze geschützt.Bin ich Eigentümer einer Wohnung, kann mir keiner kündigen.So, wie ich nicht unter der Brücke schlafen will, und auf Wohnen angewiesen bin, so bin ich als Profi auf Photoshop angewiesen.Eine gekaufte Software gibt mir Planungs-Sicherheit: Ich weiß, was ich investiert habe und über welche Funktionalität ich verfügen kann.Bei einer gemieteten Software kann der Vermieter einseitig die Bedingungen ändern, er sitzt am längeren Hebel.Wenn ich mir die Preis-Entwicklung bei LR anschaue, dann sind dort die Preise zwar massiv nach unten gegangen, so dass ich mich gefragt habe, warum ich für die früheren Vollversionen so viel zahlen sollte, was bei mir den Eindruck hinterlassen hat, dass die früheren Preise in der Tat Abzocke waren.Und warum sollte die Abzocke in anderer Richtung nicht über ein Stellen an der Miet-Schraube neu starten?Ich arbeite übrigens nur mit Original-Software. Und bin damit seit den ehemaligen Studentenzeiten ein Aussenseiter, ich weiß...Brad Trent ist ja nun auch nicht gerade blöd und ich stimme mit ihm deutlich mehr als mit Dir überein: http://damnuglyphotography.wordpress.com/2013/05/13/why-we-all-must-figh...

Der Vergleich zur Eigentumswohnung ist völlig unpassend!Auch bei gekaufter Software kann der Hersteller jederzeit den Stecker ziehen.Beispiel: ein gekaufter Lizens-Code landet in einer Tauschbörse und wird vom Hersteller als Folge gesperrt.Harry 

Im Ernst soll Vertragsbruch (willkürliches Sperren der Lizenz) - also rechtswidriges Verhalten - als Gegenargument herhalten? - Kriminelles Handeln als Beleg für die eigene Meinung? - Ein Mietverhältnis ist typischerweise auf Zeit angelegt. Ein gekauftes Nutzungsrecht nicht. Das macht für mich die Vergleichbarkeit von Wohnen in Eigentum oder zur Miete aus.

"""Die Notwendigkeit besteht ja nur während der Erstinstallation und bei größeren Updates.Zwangsaktivierung über das Netz alle 30 TageJa! - Moderne Software „telefoniert nach Hause“,"""du merkst den Widerspruch?Für eine graphische Bearbeitungssoftware ist funktional überhaupt keine Internetverbindung notwendig. „Was mach ich mit meinen Dateien, die ich nicht mehr öffnen kann, wenn ich mir das Abo nicht mehr leisten kann?“Wenn der Fall tatsächlich eintritt, dürften andere Probleme in den Vordergrund rücken, wie z.B. „Wie fülle ich meinen Kühlschrank?“

Das ist ja wohl eine freche Polemik!Warum soll man alte Dateien mit alter SW auf einem alten BS nicht mehr bearbeiten können? 

Klar, im Endeffekt gibt es für beide Modelle Vor- und Nachteile. Ärgerlich ist halt nur, dass Adobe einem keine Wahl mehr lässt. Dazu kommt noch immer die Preisdifferenz zur amerikanischen Version, die sicherlich nicht allein auf die Mwst. zurückzuführen ist.Ob Adobe damit die Raubkopiererszene ausmerzt ist die Frage, ich denke da wird es genauso wie vorher auch Versionen geben, die dann natürlich nicht updatebar sind.Sorry, aber 300 Glockem im Jahr nur für Photoshop (und das brauche ich eigentlich nur) ist halt mehr, als ich bisher für ein Update alle paar Jahre gezahlt habe. Wenn da dann wenigstens Lightroom schon mit drin wäre ... Für mich als Hobbyfotograf ist da die Schmerzgrenze überschritten. Momentan werde ich abwarten und erstmal meine CS6 noch weiter nutzen und hoffen, dass Adobe da nochmal ein wenig umdenkt.

Wenn alle 18 ein LR update kommt, hat das bisher ca. 90 euru gekostet. 18 * 12 Euro ist da glatt das doppelte. Gut es ist Photoshop dabei. Brauch ich aber nicht.Cloud ... Brauch ich auch nicht ...Und als Raubkopierer lass ich mich auch nicht bezeichnen.    

...nicht nur, sondern er ist - wie auch der mit der Wohnunhg - voellig unpassend.Wenn ich ein Auto kaufe, dann duerften die Bremsen ja wohl funktionieren, ansonsten hat die Sache einen Mangel und ich kann Nachbesserung oder Wandlung beantragen. Ausserdem sind Bremsen Verschleisteile. Nun erklaer mir mal jemand, wo bei einer Software eine Funktion infolge von Nutzung verschleisst!Auf Deutsch: Meines Erachtens duerften Updates einer Software, die fehlerhafte Funktionen korrigieren, NICHTS kosten. Denn es wird lediglich ein Produktmangel korrigiert. Wenn die USM-Funktion nicht das macht, ws sie soll, ist sie fehlerhaft und ich kann auf Nachbesserung bestehen. Kommen nun neue Funktionen hinzu oder werden bestehende Funktionen verbessert, dann moechte ich schon selbst entscheiden koennen/duerfen, ob mir diese neue, resp. verbesserte Funktion x Euro wert ist.Ich bin selbst Programmierer und Fehlerkorrekturen biete ich meinen Kunden stets kostenlos an. Neue und verbesserte Funktionen biete ich an und nur wenn der Kunde diese moechte, dann muss er auch dafuer zahlen. Sicher, dass alles erfordert einen recht hohen Aufwand. Aber wenn ich als "Ein=-Mann-Armee" das kann, dann sollte man doch von den grossen Firmen wie MS, Adobe und Co. das doch erst recht erwarten duerfen. Meines Erachtens hat da der Gesetzgeber gewaltigen Nachholbedarf. Auch wenn Software nichts greifbares ist, so ist es doch eine Ware, die gekauft (oder meinetwegen gemietet) wird und da kann ich auf Fehlerfreiheit ebenso bestehen, wie wenn meine 7D einen Fehler hat. MS bietet doch diese Updates fuer Windows auch kostenlos an.GrussUwe

...ist leider völlig weltfremd, und zeigt nur, daß sie den Prozess von Software-Entwicklung und Vermarktung nicht verstanden haben.